Noch wägt er das Für und Wider. Soll John Paul Stevens, der am 20. April seinen 90. Geburtstag feiert, sich im Sommer vom geliebten Amt als Richter am Supreme Court der USA in den Ruhestand zurückziehen? Oder macht Amerikas dienstältester Verfassungsrichter entgegen allen Gerüchten doch weiter?
Der republikanische Präsident Gerald Ford hatte Stevens 1975 für den Obersten Gerichtshof nominiert. Fast 35 Jahre später wirkt der kleine Mann mit dem strengen Seitenscheitel und der altmodischen Fliege zuweilen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. In Washington ist Stevens der letzte hohe Amtsträger der Weltkriegsgeneration. Sein Abgang könnte die fragile Balance am mächtigen Supreme Court entscheidend verändern.
Selbst wenn er nur einer von neun Verfassungsrichtern ist und zuletzt oft in der Minderheit: Stärker und nachhaltiger als manch Präsident hat Stevens die US-Gesellschaft geprägt. Wichtige Grundsatzurteile stammen aus seiner Feder, darunter zwei vernichtende Verrisse der Gefangenenpolitik unter George W. Bush. (…)
Quelle: fr-online vom 09.04.2010
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