Wer bildliche Darstellungen zum Thema Tod betrachtet, sieht den Wandel, der sich in den letzten hundert Jahren vollzogen hat. Bis tief ins 19.Jahrhundert hinein feilscht auf den Abbildungen stets der personifizierte Tod mit dem Sterbenden um dessen Leben: Feindselig stehen sich die beiden am Krankenbett gegenüber. Später dann kommt es zum Rollentausch. Etwa seit der Zeit des Ersten Weltkriegs kämpft nicht mehr der Patient, sondern der Arzt im Sterbezimmer. Jetzt hat er die Aufgabe, dem Sensenmann das Schnitterwerkzeug zu entwinden.
Die Bilder beschreiben einen gesellschaftlichen Wandel: Der Tod hat sich zu einer Realität entwickelt, die scheinbar von außen bewältigt werden kann – sei es medizinisch, gesellschaftlich oder mit den Mitteln, die der wissenschaftliche Fortschritt an die Hand gibt. In einem solchen Modell muss der Suizid eines jugendlichen Idols wie Robert Enke Eruptionen auslösen.
Wo der Tod in eine Welt einbricht, die wie der Sport von Leistung, Körperkult und Glamour gekennzeichnet ist, stürzen Weltbilder zusammen. (…)
Quelle: Merkur vom 20.11.2009
{ Comments on this entry are closed }

