Das kommt einem bekannt vor: Ein schwarzer Hoffnungsträger aus einem Chicagoer Armenviertel; Auslandseinsätze der US-Armee, die außer Kontrolle geraten und ein politisch und sozial tief gespaltenes Land international noch weiter isolieren; ein nach Versöhnung strebender neuer US-Präsident, der sich von der aggressiven Politik seines selbstherrlichen Vorgängers distanziert und gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Friedensnobelpreis bekommt – viele Elemente in diesem Buch wirken aus heutiger Sicht so aktuell, als handele es sich um einen Kommentar zur US-Politik der vergangenen Jahre.
Dabei ist die vierbändige Miniserie “Give me Liberty” um die schwarze Comic-Heldin Martha Washington, die jetzt bei Panini als erster Band der auf drei Bücher angelegten Gesamtausgabe der Reihe neu auf Deutsch erschienen ist, 20 Jahre alt.
Das insgesamt rund 600-seitige Epos, das Autor Frank Miller (“Dark Knight”) und Zeichner Dave Gibbons (“Watchmen”) 1990 begannen und vor drei Jahren mit einem späten, letzten Band abschlossen, ist nicht nur eine bemerkenswert scharfsinnige und aus heutiger Sicht streckenweise prophetisch wirkende Politsatire, sondern auch ein packendes Science-Fiction-Drama. Es lebt von dem trotz vieler effektreicher Actionszenen bemerkenswert einfühlsamen Porträt der Hauptfigur, einer vom Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit beseelten und zugleich mit menschlichen Schwächen gesegneten Heldin, der man als Leser gerne durch jede noch so wahnwitzige Wendung der Geschichte folgt. (…)
Martha Washington 01: Ein amerikanischer Traum (bei Amazon.de)
Quelle: “Freiheit oder Tod” im Tagesspiegel vom 12.04.2010
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