Islands frühere politische Führung muss sich nun auch offiziell eine Mitschuld am Kollaps der Großbanken des Landes vor anderthalb Jahren vorwerfen lassen. (…)
Das „Schwarzbuch“ zum Desaster der Banken, deren Verbindlichkeiten den Staat an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatten, war von der Bevölkerung mit Spannung erwartet worden. Die Veröffentlichung war dreimal verschoben worden, Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir hatte den isländischen Arbeitgebern nun sogar empfohlen, ihre Beschäftigten während der Arbeitszeit die Fernsehübertragung aus dem Parlament verfolgen zu lassen.
Tatsächlich zählt der Bericht auf mehr als 2.300 Seiten zum Teil ungeheuerliche Verfehlungen in Banken und Behörden auf. „Kein anderer Ausschuss hat der Nation je so schlechte Nachrichten überbringen müssen wie wir“, hatte der Vorsitzende, der Richter Páll Hreinsson, schon zuvor angekündigt.
Das ganze Land habe sich um Recht und Gesetz nicht gekümmert, bilanzierte der Ethikprofessor Salvör Nordal am Montag, was der mit vielen Sonderrechten ausgestattete Ausschuss herausgefunden hat. (…)
Quelle: FAZ vom 13.04.2010
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