Der Renner unter den subtilen Weihnachtspräsenten kam in diesem Jahr aus Großbritannien.
Die Londoner Anwaltskanzlei Lloyd Platt & Company bot Gutscheine für eine Scheidungsberatung zum Verkauf. 30 Minuten ab 140 Euro. Abnehmer, so verriet die Kanzlei, seien Ehemänner und -frauen, aber auch Geliebte gewesen. Die Freude der Beschenkten darf in diesem Fall zwar bezweifelt werden, doch der Scheidungs-Gutschein verdeutlicht zweierlei. Erstens: Scheidungen sind teuer. Zweitens: Scheidungen haben manchmal etwas mit Weihnachten zu tun. Auf der Skala der Trennungsauslöser steht das Fest der Liebe weit oben. Bei jeder fünften Scheidung in Deutschland, so schätzen Experten, ist es der Tropfen auf den heißen Stein. “Einige Menschen sehen das Weihnachtsfest als ,Wunder‘ oder letzten Rettungsversuch für die verkorkste Ehe”, sagt Xaver Büschel, Paartherapeut aus Bonn.
Das bekommen Theodor Schmidt und seine Kollegen dann – zehn Trennungsmonate später – im Herbst zu spüren. Anders als in den USA, wo die Akademie der Scheidungsanwaltschaft seit Ende 2008 “einen gravierenden Rückgang” von Scheidungen beklagt, hat die Wirtschaftskrise hierzulande bislang nichts dergleichen bewirkt. Im Gegenteil: Sie beschert Schmidt, Fachanwalt für Familienrecht, sogar noch mehr Kunden. Der 46-jährige Bochumer war vor sechs Jahren einer der Pioniere der Online-Scheidung in Deutschland. Wieso den Partner fürs Leben nur im Internet suchen? Wieso ihn nicht dort auch wieder loswerden? (…)
Quelle: Süddeutsche vom 28.12.2009
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