Warum erschoss die Polizei den Regensburger Studenten Eisenberg? Aus Notwehr, sagt die Staatsanwaltschaft – und ignoriert wichtige Gutachten und Widersprüche bei den Zeugen.
Die Mitteilung ist keine Seite lang. Es gebe nichts zu beanstanden, lässt der Generalstaatsanwalt aus Nürnberg nüchtern verkünden. Am 30. April 2009 starb der 24 Jahre alte Regensburger Student Tennessee Eisenberg. Erschossen von der Polizei, durchsiebt von 12 Kugeln. Im Dezember stellte die Regensburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. Die Polizisten hätten in “Nothilfe bzw. Notwehr” gehandelt, so die Begründung. Eisenbergs Familie hatte protestiert – vergeblich. Seit Freitag ist klar: Es wird vorerst keine Gerichtsverhandlung zum Tod von Tennessee Eisenberg geben. Ein Justizskandal.
Denn jetzt vorliegende Ermittlungsakten belegen: Als die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellte, ignorierte sie bewusst wichtige Fakten. Eine derart eindeutige Notwehr-Situation, wie sie die Staatsanwaltschaft konstruierte, lässt sich aus Gutachten und Zeugenaussagen kaum erkennen. Statt Widersprüche aufzuklären, ließen die Ermittler störende Fakten einfach großzügig weg. (…)
Quelle: taz vom 26.03.2010