Manche sind Verbrecher von Beruf. Sie bewerben sich, durchlaufen eine Art Ausbildung, machen Karrieren, besitzen Klienten, deren Problem sie lösen, etwa durch Beschaffung von Rauschgift, oder sie machen ihnen ein Dienstleistungsangebot, das seine eigene Nachfrage schafft, weil es nicht abgelehnt werden kann. Sie haben allgemeine Geschäftsbedingungen, eigene Betriebswirte und eine Rechtsabteilung, sie pflegen ein Berufsethos, Beziehungen zu anderen Firmen derselben Branche und eine Unternehmenskultur. Dennoch fehlt seit Edwin Sutherlands Reportage mit dem schönen Titel “The Professional Thief. By a Professional Thief” von 1937 eine gute Berufssoziologie der Kriminellen.
Das Buch des Oxforder Soziologen Diego Gambetta über Kommunikation unter Gangstern ist ein brillanter Beitrag zu einer solchen Soziologie. Gambetta hat Dutzende von Autobiographien, ethnologischen Studien und Berichten der Ermittlungsorgane über das organisierte Verbrechen, vor allem in Nordamerika, Italien und Japan, studiert. Das Standardwerk über die sizilianische Mafia stammt von ihm, und auf seiner Website findet man eine umfassende Datenbank mit den Aussagen ehemaliger Mafiosi. Aus all diesen Materialien geht für ihn das Grundproblem des kriminellen Geschäftslebens hervor: dass es auf riskanter Kommunikation beruht, auf Mitteilung, die mit Geheimhaltung, also dem Gegenteil von Kommunikation, kombiniert werden muss. Kriminelle sind Geschäftsleute, die ein besonderes Marketingproblem haben, ein Kundenfindungsproblem, ein Personalrekrutierungsproblem. (…)
Quelle: FAZ vom 06.02.2010
Verwandte Artikel



Comments on this entry are closed.