L 19746 Z: Die Geschichte einer Tatwaffe

28.12.2009

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Wer Peer Müller treffen will, muss in den Wald. Nach einer Viertelstunde Autofahrt gelangt man zu einem umzäunten Gelände, auf dem flache Häuser und bunkerähnliche Gebäude stehen. Eine Gruppe Rehe grast neben einem Grillplatz, auf dem Stühle stehen, die aus den Überresten von Fliegerbomben gebaut sind. Manchmal zeichnet sich ein sarkastisches Lächeln an Müllers Mundwinkeln ab.

Zum Beispiel, wenn er die Türen der Halle öffnet, in der sein Lehrmaterial lagert. “Der Mensch ist sehr kreativ, wenn es darum geht, sich gegenseitig umzubringen”, sagt er, grinst und schaltet das Licht an. In der Halle lagern präpariert und sauber geordnet Waffen aus vier Jahrhunderten: Kanonenkugeln aus dem Dreißigjährigen Krieg, schlanke Giftgasgranaten aus dem Ersten Weltkrieg, mannshohe Brandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg, Gewehre, Pistolen, Mörser, Granatwerfer, Panzerfäuste, Maschinengewehre. Doch Peer Müller ist nicht hier in einem Wald südöstlich von Stuttgart, um Waffen zu sammeln. Seine Arbeit besteht darin, Waffen zu entschärfen und sie anschließend zu vernichten.

Seit vergangenem Juli gilt für Besitzer nicht registrierter Waffen bundesweit eine Amnestie – sie können ihre Waffen noch bis Ende dieses Jahres straffrei abgeben. 200 Schusswaffen werden zurzeit allein in Baden-Württemberg abgegeben – täglich. Sie alle landen hier im Wald beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, einer Sondereinheit der Polizei, um vernichtet zu werden. Nur selten ist eine brauchbare Waffe dabei, meistens sind es alte, vergessene Erbstücke aus dem Zweiten Weltkrieg. (…)

Quelle: Süddeutsche vom 27.12.2009


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