Souverän, weltgewandt, erfolgreich, den anderen voraus: Viele Bankchefs wären heute gerne ein Bankier, wie Alfred Herrhausen einer war.
Am Montag begeht die Deutsche Bank den 20. Todestag ihres ehemaligen Vorstandssprechers. Handelsblatt-Redakteurin Marietta Kurm-Engels, die Herrhausen persönlich kannte, war Zeugin des RAF-Attentats – wie sie den 30. November 1989 in Bad Homburg erlebte:
Donnerstag, der 30. November 1989, kurz nach halb neun. Lesko, der Schäferhund unseres Nachbarn, jault auf. Laut, herzzerreißend, angsterfüllt, so wie es sonst nur Menschen tun. Dann eine Explosion – ohrenbetäubend. Das Haus vibriert. Scheiben zerspringen, Glühbirnen lösen sich aus der Fassung, Garagentore werden eingedrückt, Vasen zerschellen auf dem Boden. Dann ist da nur noch Stille, als halte die Welt den Atem an.
“Was war das?” frage ich meinen Mann, als ich mich wieder gefangen habe. “Das hörte sich so an wie vor ein paar Jahren die Explosion im Thermalbad. Damals sind die abgebrannt. Sieh doch mal nach”, sagt Wolfram. Wir wohnen in Bad Homburg. Das Schlafzimmer liegt im Souterrain, gegenüber ist die Taunus-Therme. Nur eine kleine Einbahnstraße, der sogenannte “Rosengarten”, ein um diese Jahreszeit fast ausgetrocknetes Bächlein und ein Spazierweg liegen dazwischen. Vom Fenster aus schaue ich auf das tiefer liegende Thermalbad und herüber zum Seedammweg. Ich sehe nichts, vielleicht weil eine Hecke die Sicht zum Teil versperrt. (…)
Quelle: Handelsblatt vom 30.11.2009

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