Das Gesetz von Hoheneck

14.11.2009

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Blick auf eine etwas andere DDR-Doku:

Die Kerzen auf den Leipziger Montagsdemonstrationen, die Tänzer auf der Mauer, ein stammelnder Schabowski und immer wieder Genscher, vor Freude niedergebrüllt in Prag. Gibt es denn noch wirklich Neues zu berichten, aus diesem längst verschwundenen Land?

Auf diese Frage hat nun ausgerechnet Vox eine ziemlich überraschende Antwort gefunden. Diesen Samstag im ersten Teil der “Großen Samstagsdokumentation” von Spiegel TV laufen 90 Minuten über das DDR-Frauengefängnis Hoheneck, während die anderen “Spiderman”, “Musikantenstadel” und “Supertalent” zeigen.

Es geht um einen Knast, den es offiziell gar nicht gab, weil Schwerkriminalität per se im realexistierenden Sozialismus nicht vorkam. In dem politische Häftlinge – darunter auch meine Mutter – aus “Erziehungsgründen” gezielt mit Mörderinnen oder auch auch KZ-Aufseherinnen in chronisch überbelegte Zellen gesperrt wurden. In dem Zwangsarbeit für den BRD-Export den Alltag bestimmte, und wo es bis in die 70er Jahre noch Wasserzellen gab – Isolations-Zellen, in denen Frauen im kalten Wasser stehen mussten. (…)




Dörte Franke, geboren 1974 in Leipzig, ist Schriftstellerin und Filmemacherin (“Stolpersteine”) in Berlin. Während der Haft ihrer Mutter in Hoheneck lebte sie bei ihren Großeltern. 1982 konnte sie mit ihrer Mutter in die BRD ausreisen. Über die Geschichte ihrer Familie hat sie den Roman “denkmalimkopf” (2002, dtv) geschrieben.

Quelle: taz vom 14.11.2009


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