Der Freitod eines Torwarts und die Ethik

14.11.2009

Vorlesen mit webReader
closeArchivbeitrag

Der “Spiegelfechter” setzt sich einfühlsam und klug mit der Medienreaktion zum Tod von Robert Enke auseinander. Ein sehr lesenswerter Artikel über Anstand und Ethik in der Presse:

Als am Abend des 10.11.2009 die Meldung vom Freitod des deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke über die Ticker ging, ließ sich bereits ahnen, welche Vorstellung ab heute im Medienzirkus gegeben wird. Der bedauerliche Freitod eines jungen Mannes, der offensichtlich dem horrendem Druck des Profisports nicht mehr gewachsen war, verkauft sich natürlich gut. Wer in den Medien nun auf einen Funken Selbstkritik wartet, der wartet freilich vergebens. Auch die Verantwortlichen aus dem Umfeld des Fußballs trauern auffällig laut – auch hier, keine Spur von Selbstkritik. Stattdessen wird der Voyeurismus des Pöbels schamlos bedient.

Diese Art des Sensationsjournalismus verkauft sich anscheinend so gut, dass die Medien ihre selbst aufgestellten Richtlinien für solche Todesfälle über Bord werfen und schamlos mit einer menschlichen Tragödie Auflage und Reichweite machen. Dabei werden nicht nur nahezu alle Empfehlungen von psychologischen Sachverständigen missachtet, die aktuellen Artikel der “Qualitätsmedien” gleichen vielmehr 1:1 der Negativliste, wie man es nicht machen sollte. Die mangelnde Ethik der Medien ist dabei nicht nur medientheoretisch anstößig, sie wird – da sind sich die Fachleute einig – auch Todesopfer fordern.

Der Fall Enke ist nämlich ein Lehrbuchbeispiel für den sogenannten “Werther-Effekt“. (…)

Quelle: Spiegelfechter vom 11.11.2009


RSS-Abonnement | Email-Service | Folgen Sie mir bei Twitter

Comments on this entry are closed.