Im Aufschwung droht die Insolvenz

15.10.2009

Vorlesen mit webReader
closeArchivbeitrag

Nicht nur in der Automobilbranche macht sich wieder vorsichtig Zuversicht breit. Im Automarkt USA wird die Talsohle in den nächsten Monaten erreicht, in Europa ist seit ein paar Monaten ein positiver Trend beobachtbar, in Brasilien liegen die Pkw-Verkäufe über Vorjahr, Indien zeigt Wachstum, und in China werden die Pkw-Verkäufe in diesem Jahr um gut 20 Prozent auf knapp sieben Millionen Fahrzeuge steigen. Einzig Russland und die USA bereiten noch Kopfzerbrechen.



Ist die große Krise also vorüber? Blickt man auf die Unternehmens-Insolvenzen, sieht die Lage nicht so rosig aus. Denn das Phänomen der “Insolvenz im Aufschwung” droht – und es wird dringend Zeit gegenzusteuern.

Liquidität war in der Krise das Credo. Verluste mussten “finanziert” werden, Liquiditätsfreisetzung durch Abbau der Lagerbestände hieß die Parole. Nach dieser Maxime wurde bei allen Zulieferern das Working Capital nach unten gefahren. Jetzt startet die Produktion wieder und braucht eben das größere Lager und die größeren Einkaufsvolumen. Der neue Umsatz muss finanziert werden. Banken geben sich zugeknöpfter, denn die Eigenkapital-Positionen der Zulieferer haben unter der Krise gelitten, und dem Aufschwung vertraut heute kein Banker blindlings. Hinzu kommen schlechtere Eigenkapitalpositionen der Banken, die seinerseits den Kreditspielraum einengen – Konjunkturpaket II hin oder her. Also versucht man den Seiltanz, den neuen Umsatz aus dem Cash-Flow zu finanzieren. Das ist mit hoher Absturzgefahr verbunden. (…)

Ferdinand Dudenhöffer, Center Automotive Research Universität Duisburg-Essen

Quelle: Handelsblatt vom 14.10.2009


RSS-Abonnement | Email-Service | Folgen Sie mir bei Twitter

Comments on this entry are closed.