Mit reichlich Wut im Bauch setzte sich zwei Jahrzehnte vor Christi Geburt der römische Dichter Horaz an sein Werk “Ars Poetica”. Ihm schwante, dass den vollmundigen Versprechen seiner Zeitgenossen keine Taten folgen würden. Also schrieb er einen der bis heute berühmtesten Sätze der Poesie. “Parturient montes, nascetur ridiculus mus”, was im Deutschen so viel heißt wie: “Der Berg kreißte und gebar eine Maus.”
Jörg Asmussen ist der moderne Vertreter in Sachen Kreißen. Und im Umkreisen der Welt. Vor wenigen Tagen erst kehrte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium von eine Dienstreise aus Südkorea zurück. Kaum gelandet, ging es weiter nach Brüssel, wo der diplomierte Volkswirt den informellen Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) vorbereiten musste. Einen Tag später stand eine Diskussionsrunde in Frankfurt auf der Agenda, von der aus Asmussen nach London aufbrechen musste. Dort stimmten die Finanzminister der 20 mächtigsten Wirtschaftsnationen (G 20) über die Finanzmarktregulierung ab.
“Der Mann reist mindestens so viel wie der Minister”, heißt es im Ministerium. (…)
Am 24. September, also gut ein Jahr nachdem die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, soll sich Asmussens Diplomatentourismus auszahlen. Dann treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Länder im amerikanischen Pittsburgh, um der Finanzwelt eine neue Ordnung zu geben, Zockerfonds zu zähmen und Boni-Banker an die Leine zu nehmen. Leider aber steht zu befürchten, dass der kreißende Berg nur eine Maus gebiert. Denn trotz aller Gipfel-Gespräche – die wichtigsten Lektionen der Krise hat die Politik bislang nicht gelernt. (…)
Quelle: Merkur vom 11.09.2009

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