Russischer Führungsstil

2.09.2009

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Die St. Petersburger Staatliche Universität mag im internationalen Hochschulranking auf Platz 480 liegen, an Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht: Sie rühmt sich, “die Universität des Präsidenten” zu sein. Sogar zweier Präsidenten: Sowohl Wladimir Putin als auch sein Nachfolger Dmitri Medwedew studierten hier einst Jura.

Der Dekan der Juristischen Fakultät, Nikolai Kropatschew, nennt sich gern “Dozent des Präsidenten”. Letztes Jahr wurde er zum Rektor der Hochschule gewählt, und seitdem regt sich Widerstand – offenbar ähnelt Kropatschews Führungsstil zu sehr dem seiner Vorbilder im Kreml.



“Der Rektor baut ein System auf, das nicht auf Professionalität basiert, sondern auf persönlicher Ergebenheit.” Dieses Urteil hat sich Marina Schischkina erlaubt, die Dekanin der Fakultät für Journalistik. Im Juni war das, auf einer Sitzung des Hochschulrats. Nun muss sich Schischkina wegen “Verleumdung” vor Gericht verantworten, verklagt von der eigenen Universität. Sie darf das Fakultätskonto nicht mehr verwalten und hat einen rektortreuen Vize aufgedrängt bekommen. Sie hat sich krankgemeldet, gibt aber noch Interviews.

Doch es sind nicht viele Redaktionen, die sich für den Fall interessieren. Außer Artikeln in der Kreml-kritischen Novaya Gazeta und im unzensierten Internet gibt es wenig zu lesen. Für das Staatsfernsehen existiert der Konflikt nicht. Ob Schischkina das überrascht, schließlich sitzen in den Redaktionen auch ihre Absolventen? “Ich bin mir sicher, dass 99 Prozent der Journalisten auf meiner Seite stehen”, sagt sie. “Aber sie haben ihre Arbeitgeber und ihre redaktionellen Anweisungen. (…)

Quelle: taz vom 02.09.2009


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