Der Jurist Andreas Moser verfolgt von Deutschland aus die Wahlen im Iran. Verwundert von der hohen Wahlquote des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad nimmt er Kontakt zu seinen iranischen Freunden auf. Beflügelt durch die Berichterstattung in den Medien erwartet Moser friedliche Proteste, eine gewaltfreie Revolution, bei der er dabei sein möchte. Er bucht einen Flug und reist in den Iran.
In Teheran beobachtete der Anwalt zunächst Normalität und allgemeine Geschäftstätigkeit. Im Laufe des Tages marschieren große Polizeiaufgebot auf und unterbinden die Proteste der Bürger.
Am nächsten Tag wird Moser Zeuge, wie sich scheinbar durch Geisterhand Hunderte von Menschen auf öffentlichen Plätzen versammeln, aus U-Bahnen, Bussen und Taxis strömen und zu friedlichen Protesten treffen. Die Polizei lässt nicht lange auf sich warten und fängt nach einigen Diskussionen mit den Demonstranten an, diese mit Gummiknüppeln zu vertreiben. Auch Moser wird von den Gummiknüppeln getroffen, er erhält einen Schlag auf den Rücken und etwa 5-6 Schläge auf den Oberarm. Der junge Mann ergreift die Flucht.
Nachdem sich Moser am nächsten Tag von den gewalttätigen Vorfällen erholt hat, beschließt er einen iranischen Anwalt in Teheran zu besuchen. Er hatte seinen Kollegen in Deutschland kennen gelernt und verabredet, dass Moser den iranischen Kollegen bei einer erneuten Reise in den Iran besuchen würde. Statt beim geplanten Abendessens mit dem Bekannten und dessen Familie findet sich Moser in einem Albtraum wieder. Der Wagen des Kollegen wird von zwei Geländewagen abgefangen und Moser entführt. Man bringt ihn in das Evin Gefängnis und verhört ihn, woher er den Teheraner Anwalt kennt. Seinen Ausführungen wird kein Glauben geschenkt.
Vier Tage lang bleibt Moser im Gefängnis, davon drei in Einzelhaft. Man wirft ihm vor, er habe sich als Rechtsanwalt mit anderen Rechtsanwälten getroffen, um Informationen nach Europa zu schmuggeln.
Die iranische Justiz lässt sich Zeit, Mosers Fall zu entscheiden. Der Richter sieht schließlich ein, dass ein deutscher Familienrechtler wohl nichts mit Politik zu tun habe. Moser wird entlassen.
Quelle: “In den Fängen der iranischen Justiz”, Spiegel vom 18.07.2009

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