Als „mikrowellenartig erhitzte Viertelsjuristen“ hat der Bonner Rechtswissenschaftler Rainer Zaczyk vor zwei Jahren in einem Leserbrief an diese Zeitung potentielle Jura-Bachelors bezeichnet, ihnen eine Zukunft als „pseudo-akademisches Proletariat“ vorausgesagt. Der Zorn des Professors richtete sich gegen die vor knapp zehn Jahren in Bologna getroffene Vereinbarung der europäischen Bildungsminister, in allen Studienfächern Bachelor- und Master-Studiengänge einzuführen; bis 2010 sollte die Umstellung vollzogen sein.
Zu 75 Prozent ist dieses Ziel inzwischen in Deutschland erreicht. Die Juristen allerdings sträuben sich noch immer hartnäckig dagegen, vielen von ihnen ist das Staatsexamen lieb und teuer. Eines der Bollwerke gegen die Reform ist das bayerische Justizministerium mit seiner Chefin Beate Merk. „Die Bologna-Befürworter haben für ihre Behauptung, der Markt warte nur auf Bachelor-Juristen, bislang keinerlei Nachweis erbringen können“, schimpft sie. Nun soll ein Koordinierungsausschuss „anhand unterschiedlicher Modelle Möglichkeiten und Konsequenzen einer Bachelor-Master-Struktur“ aufzeigen, wie es im jüngsten Beschluss der Justizminister der Länder heißt. Der Bericht dazu soll spätestens 2011 vorliegen, zurzeit konzentriert sich das Interesse auf drei Reformvorschläge. (…)
Quelle: FAZ vom 21.05.2009
Dazu auch: Jurastudium: Am Ende des Sonderwegs
Und schließlich: Klage über Missstände im Bildungswesen

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