Geheime Entblößung

27.05.2009

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Jeder kennt es, viele haben selber eines, so mancher hat schon mal widerrechtlich in ein fremdes hineingeblickt – das Tagebuch, in Papier- und Onlineform ist der Star der Ausstellung “@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“. In über 300 Exponaten widmet sich das Museum für Kommunikation diesem Inbegriff der Privatsphäre und des Diskurses mit sich selbst, zeigt seine sich verändernden Erscheinungsformen und Funktionen im Wandel der Zeit und setzt ihn ins Verhältnis zu seinem modernen Bruder, dem Weblog.

Um in die Ausstellung zu gelangen, schlägt der Besucher einen großen weißen Vorhang zurück. Dahinter ist das Licht gedämpft, die Farben gesetzt, es ist schummrig, düster, still. Auf leisen Sohlen wandelt man innerhalb der ausgedehnten Räume über 366 überdimensionale bedruckte Teppichfliesen, die für jeweils einen Tag des Jahres stehen: “Heute nichts geschrieben. Morgen keine Zeit.” schrieb etwa Franz Kafka am 7. Juni 1912 trocken in sein Tagebuch. “Wenn ich nur jemanden hätte zum immerzu küssen – zum todküssen – nur einmal lieben – nur einmal genießen und dann sterben“, sinnierte Alma Mahler-Werfel dagegen sehr emotional am 19. 3. 1900. (…)

Quelle: taz vom 27.05.2009


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