Der wahre Stresstest steht noch aus

8.05.2009

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Einer solchen Aktion hat sich die Wall Street noch nie ausgesetzt gesehen. Normalerweise begnügen sich Aufseher mit dem Nachweis, dass die Banken die vorgeschriebenen Vorsorgemaßnahmen und Mindestkapitalvorschriften einhalten. Doch die Regierung von US-Präsident Barack Obama wollte mehr und unterzog die 19 Top-Banken des Landes einem einmaligen Stresstest.

Dabei sollte im Rahmen einer hypothetischen Prüfung anhand von Modellrechnungen ermittelt werden, ob die Institute auch dann noch genügend Kapital haben, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen weiter dramatisch verschlechtern. Damit nicht genug: Erstmals wurden die Erkenntnisse – zumindest zu Teilen – auch öffentlich gemacht. Das Ergebnis: Zehn Institute benötigen insgesamt 75 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kapital. Den Top-Banken drohen im Lauf der nächsten Jahre im schlimmsten Fall bis zu 600 Milliarden Dollar Verlust.

Am Ende dann die Überraschung: Statt geschockt, reagierten die Märkte erleichtert. Die Aktien der betroffenen Institute legten sogar eine Rallye hin. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich mit dem geschickten Informationsmanagement der Regierung. Im Vorfeld ließen die Aufseher tagelang Einzelheiten durchsickern. Damit bereiteten sie die Märkte vor. Es gelang: Der Stresstest war abgehakt, bevor er offiziell bekannt gegeben wurde. (…)

Quelle: ZEIT vom 08.05.2009


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