In Deutschland sterben mehr Frühchen als anderswo in Westeuropa.
Ein Grund: Vor allem kleine Kliniken wollen mit der teuren Behandlung Umsatz machen, anstatt sie an Spezialkliniken zu überweisen.
Von den jährlich rund 8.000 Kindern zwischen 400 und 1.500 Gramm Geburtsgewicht stirbt in Deutschland jedes siebte. Jedes fünfte der Überlebenden ist behindert. Wer damit zufrieden ist, kann sich jetzt zurücklehnen. Doch allein das starke Nord-Süd-Gefälle der Überlebenschancen ist ein sehr starker Hinweis, dass es vor allem in Norddeutschland Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Im Süden der Republik war die Bereitschaft, solche – meist absehbaren und darum planbaren – Frühgeburten in spezialisierten Zentren stattfinden zu lassen, immer schon größer. (…)
MICHAEL OBLADEN, Der Kinderarzt (64) war von 1995 bis 2007 Direktor der Klinik für Neonatologie an der Charité in Berlin.
Quelle: taz vom 03.05.2009
