Die leicht bullige Statur strahlt Ruhe pur aus, das schmale Lächeln Ernst und Zuversicht zugleich. “Ich sehe gute Chancen, Woolworth nach einer Restrukturierung weiterführen zu können”, sagt Ottmar Hermann. Es ist ein kleines Hoffnungszeichen, aber ein wichtiges in jenem großen Raum mit dem trüben Charme der sechziger Jahre, dem Versammlungssaal in der Woolworth-Zentrale in der Frankfurter Bürostadt Niederrad.
Es ist der erste öffentliche Auftritt von Hermann als vorläufiger Insolvenzverwalter der deutschen Billigkaufhauskette Woolworth. Am Dienstag hatte das Unternehmen, deren Läden unter anderem dem Finanzinvestor Cerberus gehören, wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Insolvenz gestellt. Und so schlecht sind die Nachrichten, die Hermann aus seinem ewigen Begleiter, der schmalen Aktentasche zaubert, nicht. Woolworth sei noch liquide, weil man rechtzeitig gekommen sei. “Wir streben die Fortführung des Unternehmens an.”
Wieder einmal ist Hermann, weithin bekannter Insolvenzverwalter, in jener schwierigen Rolle: Bestatter und Abwickler für die Gläubiger, zugleich aber letzter Hoffnungsträger für die leidgeplagten Mitarbeiter. Vor nicht einmal einer Woche hat Hermann diesen Spagat in Osnabrück bewältigt. Dort hatte der in der Autobranche klingende Name Karmann Insolvenz angemeldet. Auch hier ist die Botschaft klar: Er habe Hoffnung, dass eine positive Betriebsstruktur vorhanden sei, auf der man aufbauen könne, erklärt Hermann. (…)
Quelle: Handelsblatt vom 16.04.2009

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