Die Rücken der Leitz-Ordner deuten auf eine unappetitliche Materie hin. „Kannibalismus“ steht auf einem, „Sexuelle Ausbeutung von Kindern“ und „Amok“ auf anderen. Das ist die Welt des Rudolf Egg. In seinem Büro blickt er unentwegt in die Abgründe der menschlichen Natur. Verzweifelt ist er daran aber offenkundig nicht – wer grausame Mörder als „Monster“ bezeichnet, wird von ihm jedenfalls prompt zurechtgewiesen.
Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle von Bund und Ländern ist dafür verantwortlich, dass Politiker, Behördenleiter und Praktiker der deutschen Justiz mit anwendbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen versorgt werden. Wenn beispielsweise neue Strafrahmen für unterschiedliche Vergehen festgelegt werden, kann Egg mit Studien dienen, in denen die abschreckende Wirkung einzelner Sanktionen empirisch untersucht wird. Aber auch immer mehr Zeitungsleser und Fernsehzuschauer profitieren von seinem Wissen, denn spätestens seit den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden zählt der Sechzigjährige zu den am häufigsten gefragten Kriminologen Deutschlands.
Quelle: FAZ vom 27.03.2009

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