Die Statistik des Leids

23.03.2009

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Kann man Leid in Zahlen fassen? Es ist die Aufgabe der Kriminologie, dies zu versuchen: Sie muss mit Hilfe von Analysen vorangegangener Taten Entwicklungsbedingungen herausarbeiten, Möglichkeiten der Prävention und Intervention entwickeln und für Vorbeugung werben. Dieser Weg erweist sich als beschwerlich, da Polizei und Psychologie ihn zwar als positiv wahrnehmen, jedoch ausgerechnet Schulen deutliche Zurückhaltung üben. Dabei sind gerade sie von Amokläufen betroffen. Schulen werden gezielt als Tatort gewählt. Sie sind der “Ort der größten Kränkung”, an dem jugendliche Täter demonstrativ ihre subjektive Handlungsunfähigkeit und das Gefühl von Kontrollmangel vor den Augen der Weltöffentlichkeit wettmachen wollen.

Um das Phänomen einzugrenzen und Wege zur Prävention zu weisen, wurde eine Analyse der weltweit bis Ende 2006 aufgetretenen Fälle durchgeführt. Sie belegt, dass derartige Taten bereits seit 1974 auftreten, jedoch seit 1999 stark zunahmen. 99 Taten waren bis zu diesem Zeitpunkt weltweit zu verzeichnen, davon 74 in den USA, sechs in Kanada und sechs Deutschland. In Deutschland treten sie erst seit 1999 auf, also 25 Jahre nach den USA und Kanada. Andererseits haben die USA weit mehr Einwohner als Deutschland, so dass hierzulande im statistischen Vergleich bereits schon ein Drittel so viele Taten stattgefunden haben, wie sie in den USA verzeichnet wurden. Ein wahrhaft besorgniserregender Trend, dem leider seit dem 11. März ein weiterer deutscher Fall hinzugefügt werden muss.

Frank Robertz ist Leiter des “Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie” in Berlin. Er führt europaweit Fortbildungen zur Prävention und Intervention gegen Schulgewalt durch.


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