Wie kaum ein anderer Unternehmer hat Rupert Murdoch die globale Medienwelt geprägt. Der US-Autor Michael Wolff hat eine gründliche Biografie geschrieben über den Mann, der viele Feinde hat.
Rupert Murdoch ist der klassische Schurke des Medienbetriebs: Der 1931 geborene Australier, der heute in hohem Rentneralter von New York aus immer noch seinen weltweit operierenden Multimediakonzern steuert, gilt als Prototyp des autokratischen Medienmoguls. Sein Sündenregister hat ihn vor allem für liberale und qualitätsbewusste Journalisten zum Hassobjekt werden lassen: Im Thatcher-England hat er die “Sun” zu einem Boulevardblatt gemacht, dem gegenüber die deutsche “Bild“-Zeitung so seriös und tugendhaft wie der “Osservatore Romano” erscheint. Den vormals mächtigen britischen Druckergewerkschaften hat er das Rückgrat gebrochen. Um in China sein Satellitenfernsehen durchzusetzen, folgte er den Zensurwünschen des Regimes.
Mit Fox News verfügt Murdoch in den USA über ein nationales Sendernetz, das die Agenda der Neokonservativen mit rüder Polemik gegen alle US-Liberalen unterstützt. Die Marktmacht seiner News Corp. kann er hemmungslos in Zeitungskriegen einsetzen, die die Konkurrenten entweder ruinieren oder zur Übernahme reif machen. Zu allem Überfluss geriet 2007 auch noch das ebenso renommierte “Wall Street Journal” unter seine Kontrolle, so dass dieser König der publizistischen Unterwelt nun in die letzten Festungen des Qualitätsjournalismus eingedrungen ist.
Kann man über eine solche Figur eine Biografie schreiben, die etwas anderes bietet als Anklage und Enthüllung des Bösen? Man kann, wie Michael Wolffs Buch “The Man Who Owns the News. Inside the Secret World of Rupert Murdoch” beweist. Wolff ist nicht nur ein exzellenter Kenner der angelsächsischen Medienszene, wovon man sich in seinen Büchern “Autumn of the Moguls” und “Burn Rate” sowie in seiner Kolumne in der englischsprachigen Ausgabe von “Vanity Fair” überzeugen kann. Auch diesmal hat er gründlich recherchiert und dabei Zugang zu Rupert Murdoch, zu seiner Familie, zum Management von News Corp., zu den wenigen Freunden und vielen Feinden gefunden.
Quelle: NZZ vom 13.03.2009
